Undercover-Einsatz
Kinder machen Kunst und was mach ich da eigentlich?
Ihr Lieben,
da habe ich doch vor einigen Wochen diesen Artikel gelesen, zufällig, vielleicht auf Facebook? „Wassenberg: Kunst im Bergfried – Kinder machen Kunst“, in dem eine Veranstaltung für den heutigen Sonntag und das kommende Wochenende angekündigt wurde.
Eine Vernissage. Eine Kunstaustellung zum Thema „Luft“ mit Beteiligung verschiedener Schulen und Schüler:innen unterschiedlicher Altersklassen.
Noch vor einem Jahr wäre mir dieser Artikel überhaupt nicht ins Auge gesprungen. Ich hätte ihn wahrscheinlich überlesen oder hätte daran vorbei gescrollt. Aber da sitze ich nun und arbeite an den ersten Kapiteln meines zweiten Regenbogenbuches, in dem es um Violetta und ihre Liebe zur Kunst geht, da fällt mir dieser Artikel vor die Füße und ich verstehe es (natürlich) als einen Wink des Schicksals.
Also fuhr ich heute hin. Allein. An einem Sonntagnachmittag, den ich höchstwahrscheinlich sonst gemeinsam mit meiner Familie verbracht hätte. Und das Allerverrückteste daran: Ich fuhr nicht als Mutter hin, nicht als Touristikerin oder Tänzerin, nicht als Freundin oder sonst in irgendeiner Funktion oder Rolle, die für mich selbstverständlich ist.
Ich fuhr hin als Kinderbuchautorin.
Und soll ich euch was sagen? Diese Identität ist mir so, so fremd. Das war richtig komisch für mich und obwohl ich hoffte, irgendjemand von den Anwesenden würde sich über die einsame Gestalt im pinken Jackett wundern und fragen: „Na, und wer sind Sie?“ und ich würde antworten: „Ach, wissen Sie, ich arbeite gerade an einem Kinderbuch mit dem Thema Kunst...“, war ich froh, dass ich mich einfach so unter die stolzen Eltern mischen konnte und die wundervollen Bilder und kunstvollen Skulpturen auf mich wirken lassen konnte.
Mein ursprünglicher Plan war es, hinzufahren und zu schauen, was es mit mir macht.
Ob es überhaupt etwas mit mir macht.
Ich dachte dabei an eine Inspiration zu meiner Arbeit, so etwas wie eine Recherche. Kreativen Input. Und tatsächlich: Mir gefiel die Ausstellung sehr. Ich hatte einen Lieblingsraum, in dem ich mich eine ganze Weile aufhielt und von Gemälde zu Gemälde schlenderte und diese auf mich wirken ließ. Ich schaute mir die Bilder ganz genau an, die Pinselstriche oder Bleistiftzeichnungen, die unterschiedlichen Interpretationen der Schüler:innen und war wirklich fasziniert von den Arbeiten. Wieviel Ausdauer teilweise in diesen Werken stecken muss, wie viel Liebe zum Detail. Ich fragte mich, wann weiß man eigentlich, dass so ein Bild fertig ist? Und gibt es Menschen, oder Kinder in diesem Fall, die nicht nur vielleicht ein im Unterricht gelerntes Handwerk sehr gut umsetzen, sondern die es so fühlen, dass kaum ein Werkzeug dafür nötig ist.
Ich fühlte mich an meine eigene Schulzeit erinnert. Ich war nie schlecht in Kunst, hatte es sogar bis ins Abitur (Hust!), aber ich habe in der Praxis maximal gelerntes Handwerk mal besser oder mal schlechter umgesetzt. Und dann gab es die, die einfach einen Stift in die Hand nahmen und wie durch Zauberhand eine eigene Welt zu Papier oder die Leinwand brachten.
Mich interessiert, hat jemand von euch ein solches Kunstkind? Gibt es die noch? Was wird aus den kleinen Künstlern, die so viele Schuljahre zwischen Kreativität und Vorgaben arbeiten.
Also ihr seht, der Nachmittag wirft viele Fragen auf, die ich für mich beantworten möchte, während ich schreibe. Dieses Buch wird für die Kunstkinder, die Kreativen, die Poeten, die Maler, Künstler und Dichter – so viel steht fest.
Eine weitere Erkenntnis: Ich bin ein Hasenfuß. Und ich muss beinahe lachen, wenn ich mich selbst da heute Nachmittag herumschleichen sehe. Ich habe ein Kinderbuch geschrieben. Und auch wenn sich noch keine Agentur oder ein Verlag für mich entschieden hat, bin ich eine Autorin. Ich sollte vielleicht den Mut aufbringen, mir diese Identität zu meiner eigenen zu machen.
Beim nächsten Mal.
Ich muss das echt lernen. Versteht ihr, warum das so schwierig ist? Ja? Nein? Ich auch nicht.
Eure Kristina