Schreibprozess

Der Ort des Geschehens

6 Min. Lesezeit
Der Ort des Geschehens

Wo ich schreibe und in Kinderbuchstimmung komme.

Hallo zusammen,

mitten im Alltagsgeschehen und Familientrubel gibt es sie ja: Diese kleinen Ruheinseln und Zeitfenster, die ich zum arbeiten und schreiben nutze. Das ist mein best case, sozusagen. 
Ich bin vielleicht gerade alleine zuhause und habe Zeit, mich ohne Ablenkung und in absoluter Ruhe auf meine Geschichte zu konzentrieren. Dann schalte ich das Radio aus, lege auch mein Handy zur Seite (Das ist nämlich der Teufel), mache mir eine Tasse Kaffee oder Tee und sitze dann am liebsten an unserem Esstisch mitten im Wohn- und Essbereich, wo sonst das Familienleben tobt.
Hier ist mein liebster Platz zum Schreiben.
Vielleicht, weil es der hellste Raum im ganzen Haus ist. Atmosphärisch, lebendig und mit einem Wie-Zuhause-Gefühl. Es ist einfach ein ganz anderes Gefühl, als ich es habe, wenn ich in meinem Arbeitszimmer schreibe. Nicht so eng.
Auch wenn ich mein Büro mag, den kleinen und hellen abgeschlossenen Raum mit meinem Whiteboard, einem Schreibtisch und einem ordentlichen Schreibtischstuhl darin, ist es dennoch in erster Linie mein Arbeitsplatz, den ich täglich aufsuche.
Ich arbeite vollständig im Homeoffice und obgleich sich die Stunden im Rahmen halten, verbringe ich doch viel Zeit in diesem Zimmerchen. Zum Schreiben fühlt sich der Raum ernster an, sachlicher, mit weniger Platz für Kreativität. Hier habe ich tatsächlich viel mehr an meinen Korrekturen gearbeitet als an der Geschichte selbst.

Sitze ich aber dort an meinem Esstisch – im besten Fall alleine und mit Zeit – dann falle ich förmlich in die Geschichte hinein. Ich schreibe und schreibe und schreibe, Sätze und Worte und Dialoge und Kapitel. Ich merke dann, wie ich mich vollkommen darin verliere. Die Ideen fließen durch mich durch, von meinem Herzen in meinen Kopf und in die Finger, die wie wild in die Tastatur meines Notebooks hämmern. Ich befinde mich dann in einem Zustand, den ich bei der Entstehung von meinem ersten Regenbogenabenteuer das erste Mal erfahren habe. Es fühlte sich unglaublich an. Das war richtig, richtig toll und hat vor allem eines gemacht: Ganz viel Spaß.
Manchmal sind zwei Stunden vergangen, ohne dass ich einmal aufgestanden bin. Der kalte Kaffee neben mir, die Sonne bereits fast verschwunden, die Augen trocken vom Bildschirmstarren und der Nacken steif vom langen Sitzen. Und das Ergebnis? Tausende Wörter. Man kann dabei zusehen, wie die Anzahl der Wörter sich in der Anzeige in Word unten links immer weiter erhöht. Man ist wie im Rausch.
Und dann schließt das Zeitfenster (Gott sei Dank, mein armer Nacken) und man muss abbrechen. Das normale Leben geht weiter und erstaunlicherweise schaltet der Kopf auch sofort um. Es bleiben keine unvollständigen Sätze zurück oder Ideen, die noch nicht zu Papier gebracht wurden. Autorin aus, Mama an. So einfach ist das.

Dann gibt es noch die Schreibmomente dazwischen, so wie jetzt gerade. Ich habe ein Zeitfenster entdeckt und schon seit Tagen das Bedürfnis zu schreiben. Dann muss es schnell gehen. Ohne Kaffee, ohne Esstisch, ohne Atmosphäre. Mein Handy liegt neben mir, während ich gerade in diesem Moment an unserem Gartentisch sitze und schreibe. Nebenan bellt der Nachbarshund, das tut er immer. Die Vögel zwitschern dagegen an. Auf der anderen Seite schleift der Nachbar das sechste Jahr in Folge Steine. Der Wind streicht durch den Garten und bringt die bunten Windräder zum Wirbeln. Von drinnen höre ich James Blunt im Radio. Motorräder rasen die Bundesstraße entlang, die man nur hört, wenn der Wind in unsere Richtung steht. Ein paar Gärten weiter quietscht ein Gartentor.
Von diesen Momenten gibt es wahnsinnig viele. Dann schreibe ich drinnen und draußen, am Küchentresen, auf der Gartenliege, im Büro, auf der Couch im Wohnzimmer, sogar schon auf dem Badezimmerfußboden. Oft sind dann alle zuhause, nichts geht ohne Unterbrechungen. Schnell die Sporttasche aus dem Büro geholt, die Nase geputzt oder beim Puzzle die Randteile vorsortiert. Trotz der vielen Ablenkungen bin ich manchmal überrascht, wie stark ich alles filtere und mich im Moment des Schreibens nur auf das fokussiere, was vor mir liegt. Tunnelblick.
In dieser Zeit schaffe ich natürlich nur kurze Abschnitte. Einzelne Ideen oder mal ein halbes Kapitel, was im Nachhinein meist nochmal überarbeitet werden muss.
Ciao Rechtschreibung und Zeichensetzung.

Meine Ideen und kreative Gedanken kommen natürlich aber nicht nur dann, wenn es das Zeitfenster gerade zulässt. Dann wird’s hektisch, Freunde.
Es passiert beim Duschen, beim Einkaufen, beim Spülen, beim Joggen, beim Autofahren, beim Vorlesen und und und…
Habe ich dann eine Idee und nicht die Möglichkeit, sie direkt umzusetzen, kommen sämtliche Hilfsmittel zum Einsatz. Ich schicke mir selbst Sprachnachrichten über WhatsApp (Ja, das geht. Das mache ich ständig), schreibe mir selbst einen Text und sende ihn mir, mache schnelle Notizen oder nehme eine Audiodatei auf, renne zum Whiteboard und schreibe auf, was ich hinterher kaum noch lesen kann, kritzle etwas auf einen alten Kassenzettel oder auf die Rückseite einer Rechnung. Absolutes Chaos.
Aber: Die Idee ist schneller weg, als ich gucken kann. Wenn sie am Abend noch in meinem Kopf war, ist sie am nächsten Morgen verschwunden. Ich MUSS es aufschreiben. Auch wenn ich hinterher alles danach absuchen muss, um sie wiederzufinden. Ich muss selbst lachen, weil ich eigentlich sehr strukturiert und organisiert bin, um meinem chaotischen Innersten entgegenzuwirken. Da kommt die Ur-Kristina dann doch nochmal zum Vorschein.

So schreibe ich. Ihr seht, an vielen Orten komme ich in den Kinderbuchmodus, auch wenn es manchmal eine kleine On-Off-Geschichte ist. Euch heute davon zu berichten, erinnert mich daran, wie viel Spaß das macht. Es ist herausfordernd und aufregend. Und bringt mich gerade zum Lächeln.

Liebe Grüße
eure Kristina

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