Ist Stärke unsichtbar, nur weil sie leise ist?
Nicht jede Heldin muss mutig sein
Hallo ihr Lieben,
eine kleine Beobachtung aus dem Alltag: Ich habe oft das Gefühl, dass wir unseren Kindern, insbesondere unseren Mädchen, vermitteln, dass sie laut, mutig, stark oder selbstbewusst sein müssen. Sie sollen sich durchsetzen können und ohne Angst durchs Leben gehen. Sie sollen ihren Wert kennen und dafür einstehen.
Nun, jetzt wissen wir Eltern von schüchternen und zurückhaltenden, eher ängstlichen und vorsichtigen Kindern, wie schwer das manchmal ist.
Ich nehme mich da nicht aus. Wie oft versuchen wir zu bestimmen, wann unsere Kinder über ihren eigenen Schatten springen sollen.
Sätze wie „Bestell dir bitte selbst dein Eis!“, „Du musst allein in der Turngruppe bleiben!“ oder „Mach dich bemerkbar, sonst wirst du übersehen!“ kennt sicher jeder von uns, oder? Auch noch von früher, aus der Zeit als wir selbst Kinder waren und selbstbewusst sein mussten – auf Knopfdruck. Und jedes Mal zucke ich innerlich zusammen.
Aber gerade das definieren wir häufig als Stärke und setzen irgendwie voraus, dass jedes Kind das irgendwann können muss. Gerne zu dem Zeitpunkt, der für uns passend erscheint.
Was aber ist mit den leisen Kindern. Was ist mit dem Mädchen, das gut zuhören kann. Dass sich um andere kümmert und eher Streit schlichtet, als mitzukämpfen. Mit den kreativen Kindern, die komplett in ihrer Welt versinken und wunderbare Dinge schaffen. Was ist mit den vorsichtigen Kindern, die die Konsequenzen abwägen, bevor sie einen Schritt zu weit gehen. Die erst einmal alles beobachten, bevor sie handeln. Was ist mit den Schüchternen, die ständig im Alltag über sich hinauswachsen.
Stärke muss nicht immer laut sein. Oft ist sie leise und wird dadurch leichter übersehen.
Es braucht doch oft viel mehr Mut, zuzugeben, dass man etwas nicht kann und sich seinen Ängsten zu stellen. Es ist ein Geschenk, wenn man die Gabe hat, andere Menschen zum Lachen zu bringen. Oder ein guter Zuhörer ist, vertrauensvoll und ruhig.
Es kann nicht nur „Pipi Langstrumpfs“ geben, es muss auch Platz für „Annikas“ sein.
Und obwohl ich das im Alltag als Mutter selbst manchmal vergesse, ist das eine Grundlage meiner Regenbogenmädchen. Die Charaktere sind nicht alle gleich. Sie sind nicht alle laut, mutig und selbstbewusst. Sie ergänzen sich in ihren Stärken und Schwächen. Sie können gleichzeitig Vorbilder sein und Mut machen, sowie Raum zur Identifikation geben. Es ist keine Mädchenclique, in der alle gleich sein müssen, um zu gefallen, zu passen oder akzeptiert zu werden. Im Gegenteil. Hier erfahren Kinder, dass jede Eigenschaft einen Platz hat. Und dass gerade diese Vielfalt die Gemeinschaft stärkt.
Meine Regenbogenmädchen sind laut, verrückt, introvertiert, emphatisch, nerdig, fair, kreativ, leise, selbstbewusst, zurückhaltend, clever, motiviert, launisch, fröhlich, logisch, lustig, verpeilt, überzeugend, und noch so vieles mehr.
Zum Schluss habe ich eine Frage an euch: Welche Stärke wird bei euch selbst oder euren Kindern vielleicht viel zu häufig übersehen?
Kennt ihr noch eure Stärken oder nur noch die, die ihr glaubt haben zu müssen? Und noch besonders interessant: Welche Farbe hätte eure Stärke? Oder die eures Kindes?
Ich freue mich über eure Kommentare, wenn ihr ein wenig was dazu erzählen möchtet.
Liebe Grüße und einen wundervollen Start in die neue Woche!
Eure Kristina