Schreibprozess

Happy Birthday, Regenbogenmädchen

• 6 Min. Lesezeit
Happy Birthday, Regenbogenmädchen

Das Ende ist noch nicht geschrieben

Guten Morgen ihr Lieben,

heute bin ich richtig nostalgisch unterwegs, denn der 5. Oktober hat für mich persönlich eine ganz besondere Bedeutung. Vor zwei Jahren wurde aus einem ganz normalen und eher öden Samstagabend der Beginn einer für mich unfassbar spannenden Reise, die mich und mein Leben verändert hat. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden meine „Regenbogenmädchen“ geboren, ich feiere also heute einen kleinen Ideengeburtstag.

Habt ihr Lust gemeinsam mit mir in der Erinnerung zu schwelgen? Spulen wir mal schnell zurück, ich nehme euch mit auf eine kleine Zeitreise:

Gegen 22:30 Uhr an einem Samstagabend, es ist der 5. Oktober 2024, sitze ich auf der Couch im Wohnzimmer. Es ist still im Haus, alle schlafen und ich bin mal wieder nicht müde genug, um den Kopf auszuschalten. Auf Netflix läuft irgendeine trashige Serie, ich sehe und höre eigentlich nur halb hin. In meiner Hand mein Handy, ich scrolle mich durch Insta und lasse mich von lustigen Reels berieseln.

Nur eine Stunde später sitze ich am Schreibtisch in meinem Büro, im Wohnzimmer läuft der Fernseher leise weiter. Vor mir liegt ein aufgeschlagenes Notizbuch, einige Seiten sind schon beschrieben und da sind Farben. Viele Farben, die Namen tragen. Die erste heißt Blu, die zweite Violetta, dann Rubina, Clementine, Jella und zum Schluss Midori. Mein Herz schlägt schneller als noch zuvor, so nervös bin ich plötzlich, als sei ich etwas Großem auf der Spur. Einer Idee, die nicht im Sande verläuft. Völlig fokussiert zeichnet mein Kopf Bilder.
Mädchen, die sich unterscheiden und doch eine Einheit bilden. Bücher, die in einer Reihe im Regal stehen und das Kinderzimmer meiner Tochter noch bunter machen. Geschichten, die bleiben. Worte, die transportieren.
Okay. Dann wird es vielleicht etwas wild, weil ich meine Idee auch gleich auf Merchandise-Tauglichkeit und Kinofilm-Potential prüfe…Naja, aber sicher ist sicher.

Und dann fange ich einfach an.

Was in dieser Stunde zwischen 22:30 Uhr und 23:30 Uhr passiert ist, kann ich überhaupt nicht erklären. Ein Geistesblitz, eine Schnapsidee, eine Vision, ein Augenblicksgedanke, eine Erleuchtung, eine Intuition, ein Bauchgefühl – und damit verbunden: Eine kreative Explosion. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so klar gewesen zu sein. Ohne jeden Zweifel, etwas richtig Gutes gefunden zu haben, nach dem ich überhaupt nicht gesucht habe. Ich war nie auf der Suche nach „der Idee“. Ich hatte keine Ambitionen, Autorin zu werden. Nicht das Gefühl, dass da der Wunsch in mir schlummert, zu schreiben. Und doch hat es mich getroffen, in diesem einen Moment. Als hätten sie es gewusst, dass ich sie wirklich zum Leben erwecke, die Regenbogenmädchen, und die Aufgabe annehme. Bis sie eine Geschichte bekommen. Ok, das klingt wirklich total seltsam, aber mir fehlen tatsächlich die richtigen Worte. Warum ist das passiert? Kann es mir sonst jemand erklären?

Es ist so schön und gleichzeitig völlig unglaubwürdig sich heute an diesen einen Moment, diese eine Stunde, in der die Regenbogenmädchen entstanden sind, zu erinnern. Heimlich wünsche ich mir diesen besonderen Moment zurück, meine Leichtigkeit, meine Kreativität, meinen Optimismus, meine Bestimmung, mein Glücksgefühl, meine Bestätigung. Ich weiß gerade genau, wie sich das angefühlt hat und mein Herz klopft gerade wieder genau so wild, wie an diesem Samstagabend. Es war wie ein Aufbruch, aber mit so einem klaren Ziel vor Augen, dass ich keine Angst vor dem Weg hatte. Ich habe eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Zwei Jahre liegen jetzt zwischen diesem Moment, der mich zu einer Kinderbuchautorin gemacht hat und heute, wo ich immer noch eine sein will.
Ein Jahr davon habe ich geschrieben – Tag und Nacht, gelesen, verworfen, wieder geschrieben, korrigiert und irgendwann das kleine, aber bedeutsame Wörtchen „Ende“ daruntergesetzt.
Erst viel später im Jahr habe ich meinen engsten Freunden und meiner Familie von meinem kleinen Geheimnis erzählt und ich war so überrascht von ihren Reaktionen. Hilfe, ich muss fast heulen, wenn ich daran denke. Ich habe so viel Bestätigung und positive Reaktionen erhalten, so viel Liebe und Verständnis, dass ich jetzt einen dicken Kloß im Hals habe. Ich hatte so große Angst davor, nicht ernst genommen zu werden. Und nun kann ich sagen, dass die meisten meiner Liebsten vielleicht sogar mehr an mich geglaubt haben, als ich selbst.
Dennoch war das ein Schritt für mich, der mich viel Mut gekostet hat. Ebenso das Manuskript in all seiner Unvollständigkeit das erste Mal an Testleser aus der Hand zu geben. Ich war so nervös. Das hat mich einiges an Überwindung gekostet, aber auch tolles Feedback, viele Korrekturen und Denkanstößen mit sich gebracht. Dafür bin ich immer noch mehr als dankbar.
Und dann war ich fertig, bereit, mein Buch mit 20 Kapiteln, einem Anfang und einem Ende, ungefähr 150 Seiten und einer spannenden Geschichte für neugierige Leserinnen in die Welt zu schicken. Ich hätte niemals gedacht, dass dann erst die richtige Arbeit los geht.

Das zweite Jahr, und da wisst ihr schon Bescheid, denn da habe ich euch hier oder auf Social Media ein Stück weit mitgenommen, war geprägt von Recherche, Sichtbarkeit, Bewerbungen, Ernüchterung, wieder aufrappeln, weiterschreiben. Dieses Jahr hat meinem Optimismus und meiner Aufbruchsstimmung Abbruch getan, das gebe ich zu. Mal mehr und mal weniger zweifle ich an meinem Weg und an der Hoffnung, irgendwann mein Ziel zu erreichen. Die Grenzen sind manchmal zu hoch, so dass ich nicht hinüberspringen kann, sondern einen langen Umweg nehmen muss. Ich bin nicht mehr so sicher, ob ich wirklich die Richtige für den Job bin. Ein Buch zu veröffentlichen ist kein Sprint, es ist ein Marathon. Das wird sicher spätestens jetzt sehr deutlich. Und gerade habe ich das Gefühl, ich komme keinen Millimeter weiter.

Ich wünsche es mir immer noch sehr. Und ich suche weiter nach meinem Weg.
Heute aber stoße ich vielleicht einfach nur darauf an, was aus einer kleinen Idee entstanden ist: Mein Buch!

Happy Birthday, liebe Regenbogenmädchen!
Das Ende ist noch nicht geschrieben.

Hochemotionale Grüße
eure Kristina

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